Fitnesstraining für Dein Gehirn?!

Stell Dir vor, unser Gehirn ist ein Muskel, den wir ebenso trainieren könnten. Eine großartige Vorstellung. Nicht so metaphorisch, aber dennoch möglich, können wir unser Gehirn „trainieren“ und länger fit halten. Wie das möglich ist, beschreiben wir hier.

Mit der steigenden Lebenserwartung möchten viele Menschen auch im hohen Alter noch geistig fit und selbstständig bleiben. Damit dies gelingt, muss unser Gehirn weiterhin möglichst viele der sogenannten Synapsen stärken und erhalten. Synapsen sind Verknüpfungen zwischen den einzelnen Nervenzellen im Gehirn. Ähnlich zu unserem Autobahnnetz sind unsere Synapsen mit den vielen Autobahnkreuzen und Abfahrten zu vergleichen. Je mehr wie davon haben und diese fit halten, verbessert sich die Kommunikation der Synapsen untereinander, was sich positiv auf unsere Denkleistung auswirkt. Was passiert, wenn wir dies nicht tun, sehen wir ebenfalls auf unseren Autobahnen.

Doch die gute Nachricht vorweg: Unabhängig von unserem Alter können wir unser Gedächtnis trainieren! Es ist also nie zu spät, damit anzufangen und ab einem bestimmten Alter auch notwendig. Denn ab dem 35. Lebensjahr nimmt unsere Gehirnleistung langsam ab. Damit einhergehend benötigen wir länger, um neue Informationen zu verarbeiten oder auch unsere Reaktionszeit verlangsamt sich.

Projekte wie „Berlin bleibt fit“ an der Berliner Charité oder die Dortmunder Altersstudie haben gezeigt, dass kognitive Interventionen einen positiven Effekt auf die geistige Fitness haben. Einen ebenso positiven Effekt auf die kognitive Leistung zeigte sich auch durch ein körperliches Training der jeweiligen Vergleichsgruppen. Ein reines Entspannungstraining brachte hingegen keinen Effekt auf die Gehirnleistung hervor. Die „ACTIVE“ Studie aus den USA mit über 2.800 älteren Teilnehmenden bestätigte ebenso, dass Gehirnleistungen durch entsprechende Interventionen zumindest über mehrere Jahre stabil bleiben können. Mit 70 noch so geistig fit sein wie mit 60? Allein diese Erkenntnis um den möglichen Erhalt kognitiver Leistungen ist ein wichtiges Ergebnis. Doch bei all den positiven Erkenntnissen der Wissenschaft bleibt kritisch anzumerken, dass die verbesserten Gehirnleistungen unter Laborbedingungen erschaffen und gemessen wurden.

Doch der wesentlich kritischere Aspekt liegt darin, dass sich entsprechende Ergebnisse lediglich auf den zuvor trainierten Bereich beziehen, wie beispielsweise die Fähigkeit, sich Dinge zu merken. Durch eine mangelnde Übertragbarkeit auf andere kognitive Bereiche hat dies meist wenig Einfluss auf weniger geübte Aufgabenbereiche. Im Vergleich zu unserem Körper bringt es uns wenig, im Fitnessstudio lediglich unsere starken Arme zu trainieren, aber dafür auf wackligen Beinen zu stehen. Im übertragenen Sinne heißt dies also, auch unser Gehirn möglichst vielseitig zu „trainieren“. Der Schlüssel zum Erfolg lautet also, dass es in unserem Alltag das Ziel sein sollte, unser Gehirn vor vielseitige Herausforderungen zu stellen. Ein neues Buch lesen, einen wissenschaftlichen Podcast hören, die Fremdsprachenkenntnisse noch mal auffrischen oder auch Gesellschaftsspiele und Rätsel, die zum Nachdenken anregen, können helfen, geistig lange fit zu bleiben. Auch lebhafte und vielseitig interessierte sowie fordernde Enkelkinder können Wunder wirken! Probiere auch neue Dinge aus, die anfangs noch zu schwierig erscheinen oder für die man eigentlich schon zu alt ist.

Wie wir nun gelernt haben, ist das Alter kein Hindernis für ein sportlich fittes Gehirn. Darüber hinaus ist das vielseitige Herausfordern unserer Denkprozesse nur ein Teil dessen, um möglichst lange geistig fit zu bleiben. Lebensstilbedingte Aspekte wie eine gesunde Ernährung und körperliche Aktivität, wie es auch genannte Studien hervorgebracht haben, tragen ebenso dazu bei, unsere kognitiven Leistungen möglichst aufrecht zu erhalten. Sie unterstützen die Neurogenese!

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