Präventiv-medizinischer „Schnell-Check“ für deine Gesundheit

Sie nehmen sich Zeit, kommen schleichend und entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Sie entstehen, während wir scheinbar gesund sind und uns auch so fühlen. Die Rede ist von Diabetes Typ II, negativen Herz-Kreislauf-Ereignissen oder sogar Krebs. Unlängst ist wissenschaftlich bewiesen, dass uns gewisse (zu oft etablierte) Lebensweisen nicht guttun, sondern sogar krank machen – und uns somit einige Jahre an Lebenszeit oder an Lebensqualität kosten können. Dabei geht es vor allem darum, seine Lebensweise insbesondere in Sachen Bewegung, Ernährung, Stress und Entspannung insofern zu beeinflussen, dass ungesunde Gewohnheiten gegen gesunde getauscht werden. Doch schon Tolstoi sagte: „Der Mensch geht lieber zugrunde als dass er seine Gewohnheiten ändert“.
Natürlich spielen die genetischen Dispositionen auch eine große Rolle. Daher sollten Menschen, bei denen die Eltern oder Großeltern an Krebs, einem Herz-Kreislaufereignis oder anderen chronischen Krankheiten erkrankt sind, in dieser Hinsicht sehr aufmerksam sein und frühzeitig mit entsprechenden Vorsorgeuntersuchungen beginnen (bspw. Magen- und Darmspiegelung etc.). Doch aktuelle wissenschaftliche Forschungen zeigen, dass ein günstiger und aktiver Lebensstil selbst diese genetischen Nachteile auffangen kann!

Damit wir insbesondere der Prävention dieser vermeidbaren Erkrankungen mehr Beachtung schenken können, gibt es einige präventivmedizinische Parameter bzw. Risikofaktoren, die wir selbst relativ einfach überwachen können. Für weitere individuelle Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge ist eine ärztliche Beratung aufzusuchen. Und natürlich sollten die Check-Up-Untersuchungen regelmäßig wahrgenommen werden.

Zur Durchführung dieses Beispiel-Schnell-Checks sind die gemessenen Werte der einzelnen Parameter in die entsprechende Zeile der Scorecard einzutragen – siehe unten – und die jeweiligen Punkte aufzusummieren. Anhand der Anzahl der Punkte kann das gesundheitliche Risiko eingeordnet werden.

Nachfolgend möchten wir der wichtige Einflussfaktoren näher beschreiben, welche du selbst du einen aktiven und gesunden Lebensstil beeinflussen kannst: Bauchumfang, Blutdruck und Blutzucker. Die Entscheidung für eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung sowie genügend Schlaf und Entspannung haben dabei gleich auf alle drei Faktoren – und viele weitere – einen positiven Einfluss.

Bauchumfang

Die Messung des Bauchumfanges (Taille) ist eine indirekte Methode zur Bestimmung des in der Bauchhöhle liegenden Fettgewebes – dem sogenannten Viszeralfett. Dieses innere, intraabdominale Bauchfett ist stoffwechselaktiv und unterliegt besonderen hormonellen, biochemischen und molekularbiologischen Prozessen und wirkt sich ungünstig auf den Fettstoffwechsel aus.
Um den Bauchumfang zu bestimmen, lege ein Maßband in der Taille an – in der Mitte zwischen Rippen und Beckenknochen. Ziehe das Band gerade um den Bauch herum (etwa in Höhe des Bauchnabels), atme aus und notieren den Wert.

Die Messung des Bauchumfangs kann Aufschluss über die Gewichtsverteilung, vor allem die Fettverteilung und den Gesundheitszustand geben. Hormonell bedingt durch mehr Testosteron, neigen Männer zu einer bauchbetonten Fettverteilung. Bei Frauen treten hierbei aufgrund hormoneller Veränderungen vermehrt nach den Wechseljahren auf.

Ein erhöhter Bauchumfang steht im Zusammenhang mit dem hohen Risiko für die Entwicklung eines metabolischen Syndroms und entsprechenden Folgeerkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Krebserkrankungen). Damit es gar nicht so weit kommt, empfehlen wir regelmäßig den Bauchumfang und ggf. den deiner Kinder zu kontrollieren. Zur Vermeidung oder auch Reduzierung eines erhöhten Bauchumfangs ist es wichtig sind ausgewogen und nicht zu kalorienreich zu ernähren. Neben einer gesunden Ernährung ist es aber auch ebenso wichtig, regelmäßig körperlich aktiv zu sein. Hierbei gilt es möglichst viel Bewegung in seinen Alltag zu integrieren. Neben dem klassischen „nehmen Sie die Treppe, anstatt den Aufzug“ kann es auch nützlich sein, das Auto entfernter zum Zielort zu parken oder mit der Bahn eine Station früher auszusteigen, um die letzten Meter zu Fuß zu gehen. Besonders vor einem wichtigen Meeting bringt dies nicht nur den Kreislauf in Schwung, sondern macht auch den Kopf geistig fit.

Blutdruck

Genaugenommen ist der Blutdruck die Kraft, die das Blut auf die Gefäßwand der Arterien und Venen ausübt. Somit ist der Blutdruckwert ein wichtiger Parameter zur Erfassung eines bestehenden Herz-Kreislauf-Risikos und – ergänzt mit weiteren Herz-Kreislauf-Parametern – ein Maß für vor allem für die körperliche Gesundheit.

Zu unterscheiden ist beim Blutdruck zwischen dem systolischen Druck (maximaler Druck im Gefäß) und dem diastolischen Druck (minimaler Druck im Gefäß). Der Blutdruckwert wird meistens im Verhältnis zueinander angesagt, beispielsweise 120 zu 80 (Systolisch/ Diastolisch). Der Blutdruck unterliegt jedoch vielen Faktoren (Ernährung, Tageszeit, Stressempfinden) und wird zudem von verschiedenen Systemen (Hormone, Niere, Flüssigkeitshaushalt etc.) reguliert. Daher ist der Blutdruck nie isoliert als Einzelmessung, sondern über mehrere Tage hinweg zu betrachten. Idealerweise wird der Blutdruck zu gleicher Tageszeit gemessen, idealerweise morgens nach dem Aufstehen. Ein Blutdruck von 120/80 wird den Referenzwerten der Weltgesundheitsorganisation als optimal bezeichnet. Bei einem Wert bis zu 139/89 wird der Blutdruck als „hochnormal“ bezeichnet und ab 140/90 spricht man von Bluthochdruck und bedarf ärztlicher Beratung und möglicherweise einer Medikation. Scheue hierbei nicht den Besuch des Arztes, da mögliche Folgeerkrankungen lebensbedrohlich werden können.

Risikofaktoren für Bluthochdruck sind erbliche Anlagen, Übergewicht, Bewegungsmangel, falsche Ernährung, regelmäßiger Alkoholkonsum, Stress und Belastungssituationen. Die meisten dieser Risikofaktoren sind durch den individuellen Lebensstil bedingt. Das Positive ist, dass mit geringen Änderungen des Lebensstils Risiko für Bluthochdruck und ebenso jenes für Diabetes reduziert werden kann. Mit einem Blutdruckmessgerät kann dies in wenigen Minuten von zu Hause aus geschehen. Alternativ ist dies jederzeit beim Besuch des Hausarztes oder in der Apotheke möglich.

Blutzucker

Der Blutzucker ist die Höhe des Glucoseanteils (des „Zuckers“) im Blut. Verschiedene Systeme – allen voran das Gehirn – sind aufgrund ihres Energiebedarfes auf Glucose angewiesen. Ähnlich dem Blutdruck unterliegt der Blutzucker ebenso verschiedenen Faktoren. Insulin, ein Hormon, welches vom Körper in der Bauchspeicheldrüse hergestellt wird oder auch verabreichtes Insulin, hat eine senkende Wirkung auf den Blutzuckerspiegel. Als Gegenpart lässt Glukagon hingegen den Blutzuckerspiegel in unserem Blut ansteigen. Darüber hinaus haben auch weitere Hormone einen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Die Entstehung von Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes sind meist durch ungesunde Lebensstilfaktoren bedingt. Hier gilt es sowohl präventiv als auch um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung in den Alltag zu integrieren. Zudem sollte der Körper ausreichend Schlaf und Zeiten der Entspannung erfahren.

Zur Einordnung des individuellen Risikos sollte der Blutzuckerspiegel regelmäßig gemessen werden. Dabei ist der Nüchtern-Blutzuckerspiegel am aussagekräftigsten, aber auch „postprandial“, also etwa 2 Std. nach einer Mahlzeit, kann eine gute Aussage zu einem bestehenden Risiko getroffen werden. Je nach Zeitpunkt sind hierbei unterschiedliche Referenzwerte zu beachten und einzuordnen. Im nüchternen Zustand sollte der Wert des Blutzuckers idealerweise unter 100 md/dl liegen. Sollte der Wert mit einem Abstand von zwei Stunden zur letzten Mahlzeit gemessen werden, so gilt hierbei ein Wert von unter 140 mg/dl als optimal. Ein nüchterner Wert von 100 bis 126 mg/dl gilt als hochnormal mit Verdacht auf Prädiabetes. Gemessen nach zwei Stunden gilt dies für Werte zwischen 140 und 200 mg/dl. Ab einem Wert von 126 mg/dl (nüchtern) bzw. über 200 mg/dl etwa zwei Stunden nach dem Essen gilt dieser als zu hoch und wird als Diabetes mellitus eingestuft. Schon bei der Vorstufe, dem Prädiabetes empfehlen wir ärztliche Beratung, um ein Fortschreiten der Diabeteserkrankung zu verhindern. Sollte der Blutzucker im Bereich des Diabetes mellitus liegen, sollte umgehend eine medizinische Diagnose und Behandlung erfolgen.

Zu unterscheiden ist hierbei jedoch zwischen Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes wird gar kein Insulin gebildet – häufig genetisch bedingt. Beim Typ-2-Diabetes liegt meist eine Insulinresistenz der Zellen oder Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse vor. Diese Insulinresistenz nimmt immer mehr zu und zunehmend sind auch junge Menschen und Kinder davon betroffen. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes gilt es das bisherige Bewegungs- und Ernährungsverhalten zu verändern, hin zu einer gesünderen Ernährungs- und aktiveren Lebensweise. Hierzu bieten Krankenkassen spezielle Schulungen und weitere Therapieangebote an, an denen Betroffene meist kostenfrei teilnehmen können. Hausärzte oder Diabetologen helfen hierbei und beraten zu den individuellen Therapieangeboten. Menschen mit Diabetes sollten diese Möglichkeit nutzen und sich unbedingt gut (ggf. medikamentös) einstellen lassen, denn die möglichen Langzeitfolgen eines Diabetes sind meist gravierend.


Scorecard zur Erfassung und Auswertung des präventiv-medizinischen Kurzscreenings

Punkteschema zur Beurteilung der Daten des präventiv-medizinischen Kurzscreenings

Wichtig: Unser Schnell-Check ersetzt nicht den regelmäßigen Besuch beim Arzt! Auch sind hier erlangte „positive“ Ergebnisse kein Freifahrtschein für ein Fortbestehen „schlechtem“ Gesundheitsverhaltens!

Literatur

American Academy of Pediatrics (Hrsg.) (2000) American Diabetes Association: Type 2 Diabetes in Children and Adolescents. Pediatrics 105(3): 671-680

Bellinghausen, M. & Buschmann, J. (2015): Kindergesundheit in Deutschland. Ergebnisse einer Längsschnittstudie. Köln: Open Publish.

Bjerregaard LG, Jensen BW, Ängquist L et al. (2018) Change in Overweight from Childhood to Early Adulthood and Risk of Type 2 Diabetes. New England Journal of Medicine 378:1302-1312

Leitfaden Prävention, Kapitel 1-7 (GKV) Zugriff am 03.07.2021 unter: https://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/praevention_selbsthilfe_beratung/praevention_und_bgf/leitfaden_praevention/leitfaden_praevention.jsp

Schienkiewitz A, Damerow S, Mauz E, Vogelgesang F, Kuhnert R et al. (2018) Entwicklung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern – Ergebnisse der KiGGS-Kohorte. Journal of Health Monitoring 3(1):76–81. DOI 10.17886/RKI-GBE-2018-013

Tieleman, R. et al (2016): Europace, Obey the first recommendation start screening programmes for atrial fibrillation. In: Europe Pace, Vol. 18/2016.

Vaes, B. et al (2014):The diagnostick accuracy of the MyDiagnostick to detect AF in primary care. In: BMC Family Practice Vol. 15/2014.

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